Nicht immer nur Erfolge

Natürlich will man in einem Blog am liebsten nur über schöne Lauferlebnisse und Bestzeiten berichten. Aber wenn’s mal nicht so klappt wie geplant, dann gehört das auch hierhin. Denn „nur aus Fehlern kann man lernen“. Das ist zwar ein blöder Spruch, aber für mich trifft er diesmal zu und evtl. kann ja jemand anderes auch daraus „lernen“.

.. aber nun der Reihe nach: Wie Großteils schon im Podcast mit Thomas berichtet ist mein Laufjahr 2015 und auch schon das Wintertraining umfangreicher als je zuvor. Ende Januar habe ich meine ersten Ultra bestritten (50 km in Rodgau) und dann im Verlauf des Frühjahrs meine Bestzeit über die Halbmarathon Distanz zweimal gesteigert: 8.3. in Frankfurt: 1:28:39 und beim Offenbacher Citylauf am 16. Mai mit 1:28:30 noch mal 9 Sekunden schneller (und 1. In der M50 Altersklasse) – Das entspricht eine Pace von 4:12 min/km.

Die Form war gut das Training machte Spaß – d.h. alles im Plan für das nächste geplante BGL_neuEvent den Brüder Grimm Lauf mit Start in Hanau: Dies ist ein Etappenlauf in 5 Etappen an 3 Tagen (5.-7.Juni). Die einzelnen Etappen sind zwischen 14 und 17 km lang. Die erste Etappe noch fast ganz Flach und nur Etappen 4 und 5 am dritten Tag haben ein stärkeres Höhenprofil.

D.h. am Freitag dort angekommen – und wer sich erinnert dies war so ungefähr der heißeste Tag im Jahr beim Start waren es noch ca. 32 -34 Grad – aber eigentlich nicht schwül.

Bei der Hitze war die Frage welche Renntaktik wählen – für die erste Etappe. Mein Ziel nicht auspauern sondern eher langsamer angehen lassen: Ziel eine Pace von 4:30 über eine Distanz von „nur“ 15,5 km erschien mir realistisch. Hab dann noch eine Kappe aufgesetzt um mich vor der Sonne zu schützen.

Dann ging es los. Tempo unter Kontrolle halten und besonders am Anfang nicht zu schnell. Ich kann mich an keine Schwächen erinnern. An den Wasserstationen habe ich mich primär mit dem Wasser gekühlt (Becher über den Kopf) … aber evtl. nicht genug getrunken …

Dann nun kommt die böse Überraschung: Ich komme ins Ziel nach 1:09:15 d.h. mit einer Pace von 4.28. – Aber gleich nach der Ziellinie sagt mein Kreislauf: nichts geht mehr – ich setzt mich wohl noch hin kann mich dann aber an die nächsten Minuten gar nicht mehr recht erinnern. Erst nach einer Weile komme ich bei den Sanitätern wieder so zu mir: Das fühlte sich dann doch sehr merkwürdig an. Ich hatte eine Infusion bekommen. Schrittweise geht es mir besser aber ich stehe irgendwie unter Schock: so was war mir noch NIE passiert! Nach einer Weile konnte ich dann meine Frau anrufen und sie bitten mich abzuholen (zu dem Zeitpunkt stand für mich fest – die weiteren Etappen sind gestrichen!).

Wie konnte es dazu kommen: Ich denke es sind zwei Dinge: ich habe tagsüber wohl nicht genug gegessen und unterwegs zu wenig getrunken. Und warum dies?? – Nun ich habe die Distanz von 15,5 km in der Kombination mit der Hitze definitiv unterschätzt (wenn ich HM in einer Pace von 4:12 laufen kann … dann gehen 15,5 km in ca. 4:30 doch sicher locker …).

Meine Lehre: immer wachsam bleiben und mit noch so viel Erfahrung alle Parameter bedenken und abwägen! Außerdem besondere Vorsicht bei Hitzeschlachten – speziell wenn man vorher nicht in der Hitze trainieren konnte. Evtl. sogar dann auf kürzere Strecken lieber einen Trinkrucksack mitnehmen (oder sich genügend Zeit an den Wasserstellen gönnen: trinken + kühlen).

Inzwischen ist der Schock gut überwunden und das Training für den Marathon in Berlin hat angefangen! – Heute z. B. eine Intervall-Einheit auf der Bahn 4 * 400 (in 1:18-1:20) +  2* 800 + 1 * 1000.
… also demnächst sicher wieder ein „positiver“ Bericht!

Beste Lauf-Grüße

Peter

2 Kommentare

  • Toller Bericht Peter. Da sieht man mal das das (Sportler-)Leben eben nicht immer nur perfekt sein muss. Und Deine Warnung wachsam zu sein ist ein guter Tipp für alle ambitionierten Sportler.

  • Schöner Erfahrungsbericht 🙂 und kann das auch gut nachvollziehen.
    Meine Trainingsläufe die ich anfang des Jahres gemacht habe waren immer
    so zwischen 17 und 20km. Da war es noch recht kühl und mir ging es danach
    meist auch noch echt super. Im April war es an einem Tag Heißer als an anderen
    und ich bin Mittags gelaufen, 27°C , Sonne…. nach 6km musste ich einsehen das
    es keinen Sinn machte weiter zu laufen ohne größere schäden davon zu tragen.

    Aber das wichtigste ist daraus zu lernen und seine schlüsse draus zu ziehen und es
    das nächste mal besser zu machen. 🙂

    in diesem Sinne, keep running!

Kommentar verfassen