Aktimed Tape Plus und die Kunst des Tapens

Ihr kennt das: Profisportler und immer häufiger auch Hobbysportler kleben sich munter bunte Klebestreifen an so ziemlich alle Körperstellen, unter denen sich mutmaßlich wichtige und vermeintlich überbeanspruchte oder schmerzende Muskeln befinden. Teils werden auch Gelenke stabilisiert oder wie ich zuletzt bei Olympia gesehen habe, großflächig Schulterpartien abgeklebt.

Es war also Zeit, mich endlich einem Selbsttest zu unterziehen, zumal ich seit geraumer Zeit etwas unter Schmerzen im Bereich zwischen Oberschenkel und Gesäß leide.

Da kam es gerade recht, das mir angebotene Tape der Firma Aktimed, das Aktimed Tape Plus, zu testen. Ich bekam zwei Päckchen, mit jeweils einer Rolle Tape, 3 Meter lang und 5cm breit. Nun stand ich da mit meiner Talentlosigkeit, was das Kleben von Kinesio-Tapes angeht und wollte doch diesen Testbericht so ernst und seriös wie möglich angehen.

Doch zunächst kurz zurück in die Vergangenheit. Wo kommen diese Klebestreifen her und was verspricht man sich von ihnen

Ursprünglich stammen das Tape und die Methode aus Japan. 1973 entwickelte der Chiropraktiker Kenzo Kase das so genannte Kinesio Taping und in Zusammenarbeit mit der Firma Nitto Denko Corporation das dazugehörige Kinesio Tape

….

Grundsätzlich scheint es folgende mögliche Effekte zu geben:

  • Positive Veränderung der Muskelaktivität, Muskelspannung (Tonusregulierung), Muskelfunktion
  • Unterstützung der Gelenkfunktion
  • Aktivierung des endogenen analgetischen Systems (Schmerzreduktion)
  • Entlastung des Gewebes nach Schädigung (z.B. Reduktion von Entzündungsreaktionen, Verbesserung der Flüssigkeitszirkulation)

Quelle Wikipedia

Das Besondere an den nun von mir erprobten Tapes der Firma Aktimed ist, daß es die mechanische Wirkung eines klassischen Tapes mit der Wirkung spezieller pflanzlicher Extrakte verbindet. Dazu der Hersteller:

Hilfe durch natürliche Wirkstoffe: Das TAPE PLUS ist mit pflanzlichen Extrakten aus Arnica montana, Rhus toxicondendron und Ruta graveolens versetzt, die dank ihrer schmerzlindernden, abschwellenden und durchblutungsfördernden Eigenschaften die Wirkung des herkömmlichen Classic Tapes noch einmal zusätzlich intensiviert.

Zurück zu meiner Absicht dieses Tape zu testen. Mir wurde recht schnell klar, dass trotz vielseitiger Möglichkeiten der Recherche im Netz der Netze, das Grundwissen in der Verwendung und das fachgerechte Anbringen einem Fachmann vorbehalten sein sollte. Ich kann nur von Glück reden einen Nachbarn zu haben, der als selbstständiger Physiotherapeut und Osteopath über langjährige Erfahrung verfügt und der mir bei solchen Fragen stets selbstlos mit Rat und Tat zur Seite steht. Laut meinem Nachbarn sind meine Probleme zu suchen in der ischiocruralen Muskulatur, eine Muskelgruppe auf der Rückseite des Oberschenkels.

Kurz gefragt, und schon bekam ich am Samstag, einen Tag vor einem 30km Longrun, das Tape professionell geklebt, mit einigen sehr interessanten und wichtigen Zusatzinformationen. Mir wurde schon beim Kleben klar, daß ich an diesen Körperstellen alleine ohnehin aufgeschmissen sein würde.

Zum Vergleich brachte der Nachbar gleich noch ein klassisches Kinesio-Tape mit, zum Vergleich. Wir stellten die Klebe-Festigkeit des Aktimed Bandes etwas in Frage, aber vorweg gesagt: Es hielt problemlos ca.24 Stunden incl. Dauerregen beim sonntagsmorgendlichen Lauf. Was ich auch gleich vorweg schicken muss: Männer, die ihr Haare an den Beinen habt (und das dürfte nicht selten der Fall sein), rasiert sie Euch vor solch einer Behandlung ab. Vom Kleben auf behaarten Körperstellen kann ich nur dringend abraten. Mich schmerzte das Band kontinuierlich wie tausend kleine Nadelstiche. Über das Entfernen des Bandes am nächsten Tag werde ich schweigen. Wohlgemerkt sei zu erwähnen, daß dies nichts mit diesem Hersteller zu tun hat, daß wäre bei Kinesio-Tapes jeglicher Art vergleichbar gewesen.

Zu der Wirkung des Aktimed Tape Plus, und das ist die ja wahrscheinlich wichtigste Erkenntnis: Natürlich darf man keine Wunderheilung erwarten und natürlich verschwinden Schmerzen nicht plötzlich durch das Aufkleben eines kinesiologischen Tapes. Und zumindest bei mir ist es so, daß je nach Art der Laufveranstaltung die freigesetzten Endorphine ebenfalls an der Wahrnehmung meines Schmerzes drehen und es somit schwierig wird ein vermindertes Schmerzverhalten diesem Tape gutzuschreiben. Aber die hier ins Tape  eingebrachten pflanzlichen Extrakte könnten ihren Erfolg dazu beigetragen haben. Ich bin jedenfalls froh endlich mitreden zu können und mich dank Aktimed und meinem Nachbarn mit der Anatomie des menschlichen Körpers und der Kunst des Tapens beschäftigt zu haben. Außerdem komme ich zu der Erkenntnis, daß ich dieses Produkt immer wieder benutzen würde. Sicherlich hat dieses “patentierte Weltneuheit” wie Aktimed sie nennt, seinen Preis. Auf der anderen Seite sollte uns Gesundheit und Wohlbefinden etwas wert sein und schlussendlich klebt man sich ja nicht täglich das Tape auf seinen Körper.

Macht es einfach so wie ich, probiert es aus und zieht Euer eigenes Fazit. Aber sucht Euch fachgerechte Unterstützung. Denn nur ein korrekt geklebtes Tape kann überhaupt eine Wirkung erzielen. Klebt man auch nur einige wenige Zentimeter neben den Muskel, kann der Effekt Richtung 0 sinken.

Zum Schluß noch einige Tipps, die ich aus dem Wikipedia Beitrag hierher kopiere:

Allgemeine, technische GrundlagenAnlegen und Entfernen:

 

  • Die Haut sollte trocken, sauber und fettfrei sein
  • Bei starker Behaarung sollte rasiert werden
  • Die Tapestreifen sollten in einer Vorpositionierung angelegt werden
  • Nach Anamnese wird die passende Technik durchgeführt
  • Durch Reiben muss der wärmeempfindliche Kleber aktiviert werden
  • Die Enden sollten zur besseren Haftung abgerundet werden
  • Vorgedehnte Streifen können verstärkt Hautirritationen hervorrufen
  • Tape in Haarwuchsrichtung abziehen, möglichst nah am Körper abziehen im Zug- und Gegenzugverfahren
  • Entfernen des Tapematerials am besten unter der Dusche
  • Der Tape-Verband sollte ca. 20–30 min vor sportlichen Aktivitäten angelegt werden

Grundsätzlich:

  • Das Tape sollte vorab nicht gedehnt werden

Ausnahmen:

  • Wenn die betroffene Körperpartie nicht gedehnt werden kann
  • Bei der Anwendung mechanischer und funktioneller Korrekturtechniken
  • Bei der Anwendung von Ligamenttechniken
  • Gewünschte maximale Dehnung des Materials zur optimalen Unterstützung an Kapseln, Bändern und gesamten Gelenken

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