Diastolische Hypertonie oder Laufen mit Beta-Blocker

Zugegebenermaßen ist dies ein Schnellschuß. Ein Blogbeitrag zu einem wichtigen Thema, welches sich aber gerade erst in mein Läuferleben gemogelt hat. Es ist also nur eine Momentaufnahme, ganz zu Beginn einer neuen Zeit-(Puls)rechnung.

Was ist passiert ?

Die Vorgeschichte ist schnell erzählt. Turnusmäßig habe ich eine arbeitsmedizinische Untersuchung über mich ergehen lassen, deren Bestandteil auch ein Belastungs-EKG ist. Siegessicher stieg ich auf´s Ergometer, aber schon während der zweiten Belastungsstufe wurde der Blick der Arbeitsmedizinerin skeptisch. Nach der 3. Stufe brach man den Test ab. Diagnose: Ein zu hoher diastolischer Blutdruckwert unter Belastung.

Die notwendige Bescheinigung bekam ich vorerst nicht, vielmehr die Auflage, einen Arzt aufzusuchen. In der Folge wurde ich bei meinem Hausarzt untersucht, incl. 24h Blutdruckmessung. Das Ergebnis: Im Tagesdurchnitt ein Blutdruck von 136 / 94. In der Nacht fällt der diastolische Blutdruck dann adäquat ab, so daß von einer Schädigung der Gefäße o.ä. nicht auszugehen ist. Eine Herzecho-Untersuchung habe ich dann beim Internisten auch noch machen lassen, ohne Befund.

Also kam was kommen musste: Dem erhöhten Blutdruck muss man entgegenwirken. Die Einnahme eines Betablocker oder Betarezeptorenblocker scheint unumgänglich. Letztlich handelt es sich um einen Wirkstoff, der die Beta-Rezeptoren blockiert. Somit können die Stresshormone nicht mehr andocken und die Stressreaktionen des Körpers fallen somit aus.  In Folge dessen wird die Ruheherzfrequenz und der Blutdruck gesenkt. Klingt erstmal plausibel und gar nicht so übel.

Diastolischer Blutdruck

Nachdem sich die linke Herzkammer beim Pumpvorgang zusammengezogen hat, muss sich die Herzkammer für den nächsten Pumpstoß erst wieder mit Blut füllen. Dafür entspannt sich die Kammer. In dieser Entspannungsphase, in der kein weiteres Blut in die Hauptschlagader gepumpt wird, fällt der Druck in den Blutgefäßen langsam ab (bis der nächste Blutstoß aus dem Herzen kommt). Der dabei erreichte niedrigste Druck wird als unterer Wert oder auch als diastolischer Blutdruck bezeichnet [Diastole (griechisch) = die Ausdehnung]. Bei einem Blutdruck von 120 zu 80 mmHg pulsiert also der Druck ständig wellenförmig zwischen 120 und 80 mmHg hin und her. Quelle: Wikipedia

Aber natürlich gibt es immer zwei Seiten einer Medaille. Die möglichen Nebenwirkungen sollte man nicht beiseite wischen: Müdigkeit, Durchblutungsstörungen, Herzinsuffizienz, Erektionsstörungen, etc.

Da dies hier aber kein Gesundheitsblog ist, geht es mir hier in erster Linie um die Frage: Wie, und vor allem wie gut kann ich meinen Lieblingssport unter diesen Bedingungen noch ausüben. Was muss ich beachten, oder wo lauern gar Gefahren ?! Richtig aufgeklärt wurde ich nicht. Ein lockeres “ja” auf meine Frage, ob ich denn normal weiter Sport ausüben könne war so ziemlich alles. Umso weniger erstaunlich war es, daß ich bei meinem ersten Lauf nach Einnahme der 5mg Tablette, beim Blick auf den Puls an der Garmin-Uhr zunächst an einen Messfehler oder Defekt glaubte. Beim Trail mit Jan im bergischen Land, wo wir gleich am Anfang einen Anstieg bewältigten, bewegte sich der Puls um die 120 Schläge pro Minute. Ich wollte das nicht glauben. Aber auch im weiteren Verlauf stieg der Puls gerade mal knapp über die 130 bpm. Gefühlt hätte ich 165 haben müssen. Mir war also diese gravierende Auswirkung auf die Herzfrequenz gerade auch unter Last nicht bewusst, und das hat mich schon sehr beschäftigt.

Heute habe ich dann einen Vergleichslauf gemacht. Hausrunde, etwa die gleiche Uhrzeit, die gleiche Strecke.

Das Ergebnis: Auf die Herzfrequenz kann ich mich nicht mehr berufen. Die neuen Werte sind für mich irrelevant. Wo liegt jetzt mein Maximalpuls ? Wie sind meine Pulsbereiche zu definieren. Wo ist meine Laktatschwelle ?

Im übrigen fühlte sich der Lauf in etwa so an, wie das Autofahren mit leicht angezogener Handbremse. Du siehst diesen niedrigen Puls, aber Du kommst nicht von der Stelle. Eigenartig.

Vielleicht kommen diese Fragen so wenige Tage nach Beginn der Behandlung auch zu früh in mir auf. Aber sie beschäftigen mich. Und ich beschäftige mich nun mit diesem Thema. Wahrscheinlich werde ich mir auch noch eine Meinung eines Spezialisten einholen. So gänzlich zufriedenstellend ist die Aussicht auf eine dauerhafte Medikamenteneinnahme nicht.

Und vielleicht, ja vielleicht gibt es Leidensgenossen, oder jemand, der jemand kennt. Ihr wisst schon. Schreibt es mir in die Kommentare. Ich bin für jeden Tipp und jede Anregung dankbar.

Fortsetzung folgt.

 

 

 

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15 Kommentare

  • Ups, du machst Sachen; frage doch mal bei M. Arend nach, er hat ein breites und tiefes Wissen und das ein oder andere ist ihm bestimmt schon über den Weg gelaufen.
    Kann es sein, dass die Tabletten zu hoch dosiert sind?
    Deine Muskeln müssen ja genügend mit Sauerstoff versorgt, wenn der Puls niedrig ist, aber das Herz nicht kräftiger schlägt und schneller unterdrückt wird, dann glaube ich nicht, dass unter Anstrengung die Muskeln genügend Sauerstoff bekommen; das relativ kleinere Übel dürfte dann eine schnellere Ermüdung in den Beinen sein.
    In wie weit dieses künstliche Herunterdrücken für Sportler noch gut ist, bin ich überfragt, zumindest kommen mir Zweifel.
    Neben der Anfrage bei Michael würde ich mich an einem Sportmediziner wenden, der das besser beurteilen kann als ein Hausarzt, der mit Athleten weniger in Berührung kommt.
    Ich hoffe, du findest eine bessere Therapie.

  • ui…das ist aber echt blöd…Ich kenne mich leider damit nicht aus. Bei meinem Belastungs EKG vor kurzem kam ich bis 200 Watt und habe selbst gesagt, ich kann nicht mehr. Mein Blutdruck war 170/90 und der Puls lag bei 176…mein Doc sagte auch eher etwas hochpulsig, aber das sei noch ok…Es ist wahrscheinlich sehr sinnvoll, wenn du einfach noch mal zu einem Spezialisten gehst, der sich dann aber auch gut mit dem Laufsport auskennen sollte…und da immer einen zu finden, ist nicht einfach….pass auf auf dich ….

  • Hallo Thomas,

    Hier auch mal eine Schnellantwort:
    Ich bin kein Fachmann, weis aber das man Betablocker nur sehr schwer wieder los wird. Daher wäre es höchste Eisenbahn, die Frage zu klären, ob sie wirklich unumgänglich sind.
    Das verstehe ich aus deinem Text nicht. Der Blutdruckabfall in der Nach ist normal, Ruhepuls auch. Du schreibst „von einer Schädigung der Gefäße ist nicht auszugehen“. Daraus lese ich noch keine Notwendigkeit für Beta Blocker. Wie gesagt, es ist sicher nur ein kleiner Teil der Geschichte und ich bin kein Fachmann. Aber abgetan Blocker probiert man nicht mal eben so aus. Das kann zu einer Einbahnstraße werden.

    Grüße,
    Martin

    • Ich möchte kurz bei Martins Kommentar anknüpfen:
      Das Problem der Betablocker ist das der Körper hier gegensteuert und vermehrt Betazereptoren gebildet werden. Das führt dazu das man solche Medikamente über einen längeren Zeitraum ausschleichen lassen muss sobald man diese Regelmäßig einnimmt.

      Grüße vom Chemiker,

      Volker

  • Hallo! Ich bin kein Arzt und mit diesen Fragen solltest Du zum Arzt.

    Zunächst mal: Willkommen im Klub. Ich habe auch leicht erhöhten Bluthochdruck. Fast eher etwas höher als Du im Ruhezustand. Für den erhöhten Blutdruck kann es grundsätzlich medizinische oder erbliche Gründe geben. Bei uns beiden sind es erbliche. Bei den Untersuchungen wurden ja keine anderen Hinweise festgestellt. Uns geht es also wie sehr vielen Menschen in der Bevölkerung. Sei froh: Meine Sportärztin meinte, viele Unter-50-Jährige wüssten gar nichts von ihrem Bluthochdruck, er würde also nicht behandelt, was schwerwiegende Folgen haben könne. Wir wissen davon uns nehme eine Pille. Ist doch besser, oder?

    Es scheint mir bei Dir im Ruhezustand keine schwerweigende Erhöhung zu sein, weshalb es mich wundert, dass Du gleich Betablocker nehmen sollst. Ich nehme Ramipril, ein ACE-Hemmer, sehr gut verträglich. Aufgrund des Laufens konnte ich die Dosis von 5 auf 2,5 mg herabsetzen. Allerdings, wenn es sehr stressig wird im Job, nehme ich auch mal wieder 5 mg. Ich kontrolliere meinen Blutdruck inwzsichen häufig, mindestens einmal die Woche. Das Ramipril hat bei mir keinen Einfluss aufs Laufen, die Leistung oder die Pulsfrequenz. Da spüre ich andere Faktoren wie viel Stress, zu wenig Schlaf etc. viel deutlicher.

    Mir fällt bei Deinem Belastungs-EKG auf, dass Dein Blutdruck unter Last doch ganz heftig nach oben geht. Das ist bei mir nicht der Fall, der untere Wert lag beim letzten Mal fast wie festgenagelt so um die 90. Das kann aber an am Ramipril liegen. Ich würde auf jeden Fall noch mal zu einem Kardiologen, der mal gucken soll, ob diesem bei nur leichterhöhtem Blutdruck – und 136-94 ist auf keinen Fall ein schlimmer Wert – wirklich schon Betablocker angesagt sind oder ob nicht doch etwas leichteres besser wäre. Der sollte dann auch unbedingt ein Belastungs-EKG machen.

    Nicht alle Kardiologen sind auch Sportärzte. Vielleicht hälst Du besser nach einem Ausschau, der auch das Fach drauf hat. So lange im EKG keine anderen Auffälligkeiten sind, solle ich so viel Sport machen, wie ich will und kann, hat mir meine Sportärztin gesagt. Wie gesagt, ich konnte das Ramipril herabsetzen – aber nicht absetzen. Sie hat mir aber auch gesagt, dieses Medikament ist meine Lebensversicherung. Auf keinen Fall darauf verzichten.

  • Hi Thomas,
    Neben beta-Blockern gibt es ja noch mind. 4-5 weitere Medikamenten Gruppe, die dann meist die HF nicht beeinflussen und dennoch fen Blutdruck senken. Empfehle Vorstellung beim internistisch/kardiologischen Sportarzt!
    Wolf

  • Da kann man einiges tun lieber Thomas! Du hast Post 😉

  • Die Kraft der Community ! Vielen lieben Dank für die vielen Antworten und privaten Nachrichten. Meine Augen sind geöffnet und wachsam. Ich werde das Thema jetzt angehen und nochmal genau hinterfragen. Ich halte Euch auf dem Laufenden.
    Viele liebe Grüße
    Thomas

  • Ich weiß nicht, ob es dir hilft. Aber ich habe genau das gleiche Problem wie du! Auch ich habe einen leichten Betablocker verschrieben bekommen. Nehme ihn seit dem 2. Oktober. Also nach meinem Halbmarathon in Köln. Nämlich drei Tage oder vier Tage vor dem Halbmarathon wurde genau das gleiche Problem bei einem Belastung EKG bei mir festgestellt. Gestern hatte ich erneuten Termin bei meinem Doc. Und ich teilte ihm meine Bedenken gegenüber des Beta Blocker mit. Er sagte, es diene dem Herz Schutz Und ein ACE- Hemmer wie ramipril Sind in dem Fall nicht geeignet. Wir haben ja im Normalfall einen normalen Blutdruck. Nur unter Belastung geht er nach oben. Auch ich bin kurz vor meinem 50. Lebensjahr. War früher schon mal Bluthochdruck Patient, habe aber dann 35 Kilo abgenommen. Danach war der Blutdruck wieder normal. Das letzte Belastung EKG war vor drei Jahren und auch da war der Anstieg nicht ganz so extrem. Aber schon da. Jetzt nehme ich bisoprolol 1,25 mg. Das Gefühl mit angezogener Handbremse zu laufen, das hatte ich auch am Anfang. Bei mir ist der Lauf Pools nun im Schnitt um zehn Schläge gesunken. Laufe ich meine Hausrunde mit einem Schnitt von 6:15, hatte ich zuvor einen Puls von 140-145. jetzt 130-135.
    Mir erklärte der Arzt, dass er mit dem Medikament sozusagen die Drehzahl reguliert. Und das Beta Blocker einfach einen schlechten Ruf haben. Wie gesagt, ich habe die kleinste Dosis, die ist wohl gibt. Das Gefühl mit der angezogenen Handbremse kenne ich nur vom aller ersten Lauf! Vielleicht bist du wirklich zu hoch dosiert.

    Ja bitte halte uns auf dem Laufenden! Das interessiert mich auch.

  • Sorry für die Fehler … Siri spinnt manchmal und ich habe nicht alle verrückten Sachen wie Lauf Pools anstatt Puls entdeckt gehabt beim querlesen 😂

  • Pingback: Aegroto, dum anima est, spes est – oder Laufen ohne Betablocker – Running-Podcast

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